Für unser jüngeres Kind war es der erste Sommer seines Lebens. Und es war auch einer der kühleren Sommer seines kommenden Lebens. Die Hitze der letzten Monate und die daraus folgenden Schäden und Dürre sind nun in aller Munde und treffen die Landwirtschaft und somit unsere Lebensmittelversorgung. Auch wir haben diesen Sommer die Auswirkungen stark gespürt: so stieg unser Wasserverbrauch um das Dreifache, um das Anbringen von Schattiernetzen kamen wir nicht herum und wir verloren einige Sätze und Kulturen, die schlichtweg verbrannten sind.

Der Vorteil unseres Marktgartens: Er ist vielfältig, der Ausfall einzelner Kulturen wird durch gutes Gelingen anderer Kulturen ausgeglichen und durch diese Vielfalt können wir auch mittelfristig Entscheidungen treffen, was Kultur- und Sortenwahl angeht. Aber euch ist sicher aufgefallen: Seit Wochen gibt es keinen Salat, weil er verbrannt ist, Melanzani und Paprika findet ihr kaum in euren Ernteanteilen, weil diese Kulturen die Blüten abwerfen, wenn es zu heiß ist und das trockene Wetter für Thripse und Spinnmilben förderlich ist. Auch die Paradeis kamen spät, weil sie nicht rot werden wollten.
Gießen konnten wir, weil wir auf Ortswasser zurückgreifen können. Das ist teuer aber die sichere Wahl. Wenn aber auch hier die Reserven knapp werden, werden Menschen und Tiere priorisiert werden, das Gießen von Gemüse vermutlich nicht. Mit Heu und Gründüngung bemühen wir uns trotzdem sparsam mit dem Wasser umzugehen. Auch das dichte Bepflanzen unserer Beete schützt den Boden vor Erosion. Trotzdem wissen wir, Gemüsebau ohne Schatten von Bäumen und Sammeln jedes Wassertropfens wird schwieriger werden. Die Integration von Obstbäumen oder anderen Nutzbäumen in unsere Anbauflächen sowie Regenwassersammlung sollen Bestandteil eines zukünftigen Gartens sein.
Politik und Landwirtschaftskammer sind nun um ein begrenzen der Schäden bemüht. Mehr ist es jedoch in unseren Augen nicht. Von staatlichen Hilfen profitieren die Banken mit staatlich subventionierten Krediten, die ja auch wieder zurückgezahlt werden müssen, der Erlass der Sozialversicherungsbeiträge von zwei Monaten wird über geringere Pensionszuschüsse für die Bäuer*innen zurückgeholt. Auch wenn irgendwann alle bäuerlichen Betriebe „durchversichert“ sind, werden uns die ausgezahlten Versicherungssummen kein Essen auf den Tisch bringen und billigere Lebensmittel in den Supermärkten werden den Bäuer*innen auch keine Ernte bescheren. (https://bauernzeitung.at/artikel/bundesteil/240-mio-euro-gegen-die-duerre-alle-details-zum-hilfspaket).
In der Branche spricht man von 30% Ernteausfällen im Gemüsebau. Die Rede ist von fehlenden Erntemaschinen und Logistik, um ungeplant gleichzeitig abgreifende Kulturen gleichzeitig ernten zu können- und das betrifft vor allem Tiefkühlgemüse wie Erbsen, Fisolen oder die Sojabohne. (https://orf.at/stories/3439507/)
Mit unserem kleinstrukturierten Betrieb haben wir diese Herausforderungen nicht und sind einmal mehr froh, mit der Natur und ihren Herausforderungen arbeiten zu können.

Ohne Klimaschutzgesetz mit ehrlichen Bemühungen, werden wir unseren Kindern verbrannte Erde übergeben. Noch glauben wir, dass kleinstrukturierte Landwirtschaft und biologische Bewirtschaftung Teil einer Lösung sein können- Danke, dass ihr diesen Weg mit uns geht!
